PIETER JAN (of PIERRE JEAN) VAN DER OUDERAA (1841 - 1915): Portal der Basilika San Marco in Venedig (Eine Dame, die den Markusplatz verlässt, gibt Almosen)

Unten rechts signiert und datiert: P vd Ouderaa Venezia 1868, Öl auf Leinwand, Maße 88 x 68 cm (ohne Rahmen), 113 x 93 cm (mit Rahmen). Preis € 1.750.

Wer Venedig schon einmal besucht hat oder Venedig gut kennt, wird auf diese stimmungsvolle Leinwand des Nordportikus des Markusdoms hereinfallen. Durch die kraftvolle Perspektive, in der die reich verzierten Bögen dargestellt sind, eine Perspektive, die durch die verschiedenen Figurengruppen verstärkt wird, wird man gleichsam in den Säulengang hineingezogen. Obwohl es sich um ein Staffelei-Gemälde handelt, hat es alle Qualitäten eines ausgezeichneten Dekorationsstücks. Die Mosaike auf den Gewölben des San Marco sind naturgetreu gemalt. Das Gold glänzt in den Augen des Betrachters. Die historische Szene zeigt eine Episode aus den glorreichen Tagen der Dogenstadt. Sonnenlicht und Schatten wechseln sich so ab, dass die Leinwand gleichsam zum Leben erwacht. In dem schönen historischen Rahmen, der byzantinisch anmutet und in florentinischem Gold koloriert ist, reicht die dekorative Kraft des Gemäldes über die Leinwand hinaus. Die Qualität der Komposition und die von den Figuren hervorgerufene Atmosphäre zeugen von den Qualitäten dieses flämischen Malers.

Pieter van der Ouderaa (siehe Selbstporträt rechts) wurde in Antwerpen geboren und besuchte dort die Koninklijke Academie voor Schone Kunsten. Er wurde von der Direktorin der Akademie, der Historienmalerin Nicaise de Keyser, ausgebildet. Als Dekorationsmaler hat De Keyser viele Aufträge für Wandmalereien im In- und Ausland ausgeführt. Ouderaa hat sich auch als Dekorationsmaler hervorgetan. Beispielsweise malte er Wandmalereien im Gebäude des Antwerpener Gerichtshofs. 1866 unternahm Ouderaa eine Studienreise durch Italien und den Nahen Osten. Nach seiner Rückkehr nach Belgien 1869 wurde er an seiner Alma Mater zum Lehrer für Historienmalerei ernannt. Neben der Historienmalerei – Ouderaa war ein großer Bewunderer von Hendrik Conscience – praktizierte er mit großem Erfolg Porträts und Genreszenen. 1893 unternahm Van der Ouderaa eine weitere Studienreise, diesmal nach Palästina. Ouderaa gilt als traditioneller Maler in der akademischen Tradition seines Lehrers. Was er mit den Malern der Akademie gemeinsam hat, sind die exquisite Detaillierung und Textur. Was ihn von der Generation vor ihm unterscheidet, ist der naturalistische Stil seiner Malerei. Dies steht in krassem Gegensatz zu dem erhabenen Akademismus seiner Vorgänger. Die Gemälde von Ouderaa hingegen strahlen Gefühl und Wärme aus. Ouderaa gewann viele Auszeichnungen unter anderem auf Ausstellungen in Berlin, Amsterdam und Lyon. Bis ins hohe Alter war er Lehrer am Hoger Academisch Gesticht in Antwerpen. Verschiedene Museen besitzen Werke von Ouderaa, darunter solche in Antwerpen, Breda, Brüssel und Groningen.

Die atmosphärische und erzählerische Leinwand, die Ars Decora von diesem flämischen Meister anbietet, wurde 1868 von Ouderaa in Venedig gemalt. Es ist vollkommen klar, warum Ouderaa ein Jahr nach dem Malen dieses Gemäldes zum Lehrerberuf berufen wurde. Die Leinwand ist in gutem Zustand und wurde kürzlich leicht gereinigt und lackiert. Die Leinwand ist an den Rändern mit Klebeband verstärkt, dies geschah in ferner Vergangenheit und verschwindet unter dem Rahmen.

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